Schlammsegen statt Konfettiregen

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Schlammsegen statt Konfettiregen

Nicht Konfetti oder Kamelle, sondern Schlammgeschosse wirbeln durch die Luft. Wer schmeißt sie denn? Zwei Parteien kämpfen damit auf offener Straße im spanischen Galizien gegeneinander. Reiseführer Tomás hat schon vorher gewarnt: „Zieht euch Regencapes an!“ Dabei wirkt das Dorf Laza bei der Ankunft der deutschen Reisegruppe am Rosenmontag noch friedlich, doch sichern die Anwohner der Festgasse bereits vor Eintreffen der Schlammnarren die Fenster ihrer Häuser mit Brettern und Folien. Schon hört man die Hörner der Musiker laut tönen, die zur Schlacht anblasen. Männer mit puterroten Gesichtern ziehen eine Badewanne auf rumpelnden Rädern durch die Gasse, gefilmt von vermummten Kameraleuten der Sender Antena 3 und Galicia TV. Was macht die Wanne so schwer?

Trockene Erde, Lehm aus der Umgebung. Aber was soll sie hier mitten im Dorf? Wasser, schnell herbeigeschafft, verwandelt den Lehm in Kampfmittel. Zwei Parteien formieren sich, manche Kämpfer ziehen sich Sturmmasken über, die Schlammschlacht beginnt. Schlammige Lappen wirbeln durch die Luft. Manche verfehlen ihr Ziel und klatschen als Blindgänger aufs Pflaster oder landen an den Hauswänden, hinterlassen braune Flecken. Wieder andere treffen gezielt Köpfe der Gegner, von Triumphgeschrei und Trompetenstößen begleitet. Wird hier eine alte Rechnung beglichen? Bald waten alle in einer dicken Schlammschicht. Brauner Brei bedeckt Gesichter und Kleidung. Die Badewanne aber poltert weiter durchs Dorf. Feiner Schlamm, aus einer Düse in die Luft gepumpt, vernebelt die Szene. Unaufhörlich töst die umherziehende Wanne. (...)

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Cycle 3