Fisch aus der Eiszeit

Lesen Sie einen Auszug aus der Reportage:

„Ich sehe zum ersten Mal
einen Fisch aus der Eiszeit“

Künstler der Eiszeit hunderte von Tierbildern
in die Felsen eines wilden Flusstals geritzt

Die Sonne ist gerade untergegangen. Das dämmerige Licht reicht noch aus, um die nur wenige Meter entfernt liegende Uferböschung zu erkennen und hinter Berliners Licht zu den Felszeichnungen zu laufen. Sie liegen in etwa 140 Metern über dem Meeresspiegel. Nach ein paar Minuten schwenkt Berliner nach links auf eine kleine Anhöhe, mahnt, vorsichtig zu sein, da man im Dunkeln stolpern könne. Vor einem gut zwei Meter hohen Felsen lassen sich Berliner, Birken und Romão im Gras nieder. Alle fangen an zu schniefen, denn sie sind Allergiker. Es ist Mai. Die Luft ist warm. Grillen zirpen. Frösche quaken. Ana Berliner legt ihren Scheinwerfer ins Gras. Falter flattern durch das Licht. Blumen duften. Auf dem Schieferfelsen bilden sich feine Linien als Umrisse von Tieren ab. Zum Teil überschneiden sie sich. Im Licht des Scheinwerfers treten die Konturen deutlicher hervor als im Tageslicht. Deshalb also wollte Berliner erst abends losfahren! Auf dem Schiefer sind viele Pferde, Ziegen und Auerochsen abgebildet. Vielleicht tanzten sie nachts im Feuerschein? Dieser Felsen gilt als der schönste hier.

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Genauso präzise wie der Steinbock ist unter den Tieren aus mindestens sechs verschiedenen Entstehungszeiten ab 22.000 vor Christus ein anderes Tier auf dem Felsabschnitt dargestellt. „Ist es ein Hirsch oder ein Auerochse?“ fragt Andre Birken neugierig. Man muss wirklich genau hinschauen, um die Tiere zu identifizieren. „Schaut auf die unterschiedlich gearbeiteten Linien“, führt Ana Berliner durchs Bild. Die Hörner sind geschwungen und richten sich nach vorne aus. Möglich ist aber auch die Andeutung von Schaufeln. Neben dem rechten Horn befindet sich ein ellipsenartiger Kreis, der vielleicht ein Ohr andeutet. Ganz gerade hingegen sind die Linien des langen Schädels. Das Auge ist oval. Es befindet sich fast in der Mitte des Kopfes. Das Maul kann man als rechteckig bezeichnen. Es wird durch große Lippen betont. Steil fällt vom Nacken eine flache Linie herab zur Mitte des recht langen Rückens, ehe sie sanft zum Hinterteil emporsteigt.

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